NORWEGIAN UNIVERSITY OF LIFE SCIENCES (NMBU) |NORWEGEN
Digitalisierung von Prüfungen und Bewertungen an der NMBU
Wie die Norwegian University of Life Sciences ihre Prüfungen mit WISEflow modernisiert und das digitale Prüfen an die Werkzeuge des Studienalltags angeglichen hat.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Die NMBU startete ihr WISEflow-Projekt 2016
- Die Einführung begann mit freiwilligen Kursverantwortlichen und weitete sich dann nach Bedarf aus
- Am Computer geschriebene Abgaben erleichtern die Bewertung gegenüber Handschrift
Die Norwegian University of Life Sciences (NMBU) wollte Feedback digital geben können und hatte den Wunsch, den Bewertungsprozess zu digitalisieren, um Bewertungen am Bildschirm statt auf Papier durchführen zu können.
Hintergrund
Die Norwegian University of Life Sciences (NMBU) liegt im Südosten Norwegens. Die Universität verfügt über zwei Campus, verteilt auf die Hauptstadt Oslo und die benachbarte Gemeinde Ås, und bietet insgesamt 64 Studiengänge an, überwiegend mit Schwerpunkt auf Umwelt- und Biowissenschaften.
Mit 5.200 Studierenden und 1.700 Mitarbeitenden erarbeitet die NMBU Wissen und treibt Innovationen in Bereichen wie Lebensmittel, Gesundheit, Umweltschutz, Klima und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen voran.
Die Notwendigkeit der Digitalisierung in der Bildung
Die NMBU startete ihr WISEflow-Projekt 2016. Zuvor wurden nahezu alle schriftlichen Prüfungen auf Papier abgegeben. Einige wenige fanden an hochschuleigenen Computern statt, doch dabei mussten Aufsichtspersonen sicherstellen, dass die Studierenden nicht miteinander kommunizierten.
Für die NMBU war es wichtig, mit den Entwicklungen im norwegischen Bildungssektor Schritt zu halten. Zusammen mit der Beobachtung, dass die Studierenden der NMBU Erfahrung mit digitalen Werkzeugen hatten und erwarteten, dass ihr Studienalltag zunehmend digital würde, wurde dies zur Triebkraft für den Wechsel zu digitalen Prüfungen und Bewertungen. Die NMBU wollte Feedback digital geben können und hatte den Wunsch, den Bewertungsprozess zu digitalisieren, um Bewertungen am Bildschirm statt auf Papier durchführen zu können. Schließlich war die Digitalisierung der Prüfungen und der damit verbundenen Prüfungs- und Bewertungsprozesse auch ein Weg, den Aufwand für das Verpacken und Versenden von Prüfungsarbeiten zu verringern.
Spezifische Anforderungen an eine digitale Prüfungslösung
Um einen Einblick zu gewinnen, wie der Prozess bislang verlaufen ist, haben wir mit Kari Bauge gesprochen, Beraterin in der Studienverwaltung der NMBU. Bauge ist für die gesamte Durchführung der digitalen Prüfungen verantwortlich, verwaltet die Prüfungs-Flows und schult die verschiedenen an der Prüfung beteiligten Benutzergruppen: die Studierenden, die für die Prüfungserstellung in den einzelnen Fächern zuständigen Lehrenden, die Prüfenden und die Aufsichtspersonen. Außerdem stimmt sie sich mit anderen Abteilungen ab, die am digitalen Prüfungsprozess beteiligt sind.
Ihr zufolge bestand der Hauptgrund für die Digitalisierung von Prüfungen und Bewertungen darin, Lehrveranstaltungen und Prüfungen besser aufeinander abzustimmen: „Unsere Studierenden sollen die digitalen Werkzeuge in ihren Prüfungen genauso nutzen können wie im Studienalltag. Digitale Prüfungen sollen es ermöglichen, dass Studierende in ihren Fachgebieten auf die bestmögliche Weise geprüft werden.“
„Ein großer Teil lag auch am Wunsch, die Planung und Durchführung von Prüfungen effizienter zu gestalten und so hoffentlich vor, während und nach den Prüfungen manuellen Arbeitsaufwand einzusparen“, fügte sie hinzu.
Als Bildungseinrichtung mit Schwerpunkt auf Bio- und Umweltwissenschaften hatte die NMBU spezifische Anforderungen an eine digitale Prüfungs- und Bewertungsplattform:
„Wir wollten, dass eine Prüfungslösung Funktionen bietet, um digitale Prüfungen in unseren bestehenden Prüfungsformaten durchzuführen, insbesondere Aufsätze und Multiple-Choice-Aufgaben sowie eine Kombination aus beidem. Außerdem wünschten wir uns, dass die Lösung Funktionen bietet, mit denen wir Prüfungen in allen unseren Fachgebieten digital durchführen können.“
Einführung einer digitalen Prüfungsplattform
„Wir haben mit einem Pilotprogramm begonnen, um den digitalen Wandel zu erproben“, erzählte uns Bauge. „Insgesamt verlief die Implementierung des Systems sehr gut. Beim Kennenlernen und bei der Nutzung des Systems in der Implementierungsphase stießen wir auf keine nennenswerten Herausforderungen. Die größten Herausforderungen bestanden darin, Personal als technische Aufsichtspersonen zu gewinnen und die Infrastruktur für digitale Prüfungen bereitzustellen, etwa Stromanschlüsse und WLAN.“
Die NMBU erlebte die Begleitung während der Implementierung als gut, sowohl bei allgemeinen Informationen und Schulungen als auch beim Benutzersupport, wenn Fehler auftraten oder Fragen zum System aufkamen.
An der NMBU lag der Schwerpunkt der Implementierung zunächst darauf, sich Kompetenz im Umgang mit WISEflow anzueignen und sicherzustellen, dass alle Teile des neuen Prüfungsprozesses beherrscht werden. Die Verwaltung der NMBU absolvierte Schulungen bei einer Trainerin oder einem Trainer von UNIwise, um sich mit WISEflow vertraut zu machen. Seitdem bietet die NMBU vor jedem Prüfungszeitraum interne Kurse für Kursverantwortliche an. Diese sind nach Modulen gegliedert, sodass die Kursverantwortlichen jeweils in dem für sie relevanten Modul geschult werden.
Um bei den Lehrenden eine positive Haltung gegenüber dem neuen System zu fördern, wählte die NMBU eine gezielte Strategie: „Wir haben die Einführung digitaler Prüfungen zunächst mit den Kursverantwortlichen begonnen, die sich freiwillig gemeldet haben. Als dann immer mehr Kursverantwortliche die Vorteile der Digitalisierung des Prüfungsprozesses erkannten, haben wir entsprechend ausgeweitet.“
Digitale Prüfungen sind eine positive Veränderung
Laut Bauge wurde das neue System von den Benutzer:innen begeistert aufgenommen: „Bei den Studierenden haben wir im Vorfeld eine leichte Unsicherheit bemerkt, aber nachdem sie eine Prüfung im neuen System abgelegt hatten, war das Feedback hervorragend. Wir haben eine Umfrage zu den Erfahrungen der Studierenden mit der Umstellung auf digitale Prüfungen durchgeführt (nach dem Pilotprojekt und den Prüfungen im Frühjahr 2017), und die meisten Studierenden waren mit der Möglichkeit, Prüfungen digital abzulegen, sehr zufrieden.“
„Auch Lehrende und Prüfende haben die Umstellung sehr geschätzt“, fügte sie hinzu, „vor allem, dass am Computer geschriebene Abgaben viel leichter zu lesen sind als handschriftliche.“
Insgesamt war die Umstellung positiv, so Bauge, doch einige Hürden bleiben. Da der vollständige Wechsel zu digitalen Prüfungen noch nicht abgeschlossen ist, sind bei den Fakultäten, der IT und dem Gebäudemanagement viele Ressourcen nötig, um sowohl die digitalen als auch die verbleibenden herkömmlichen Prüfungen zu betreuen.
Weiterhin auftretende Herausforderungen
Die NMBU hat digitale Prüfungen in ihre Abläufe integriert und einige der Vorteile erlebt, die eine digitale Prüfungs- und Bewertungsplattform bieten kann. Doch nach wie vor werden viele Ressourcen aufgewendet, da ein manueller und ein digitaler Prüfungsprozess parallel laufen statt eines einzigen digitalen Verfahrens. Die mit Abstand größte Herausforderung betrifft die Aufsichtspersonen. Bei zwei getrennten Prüfungsprozessen braucht die NMBU zwei Gruppen von Aufsichtspersonen: eine für herkömmliche Prüfungen und Unterstützungsaufgaben bzw. Toilettengänge und eine Gruppe technischer Aufsichtspersonen für digitale Prüfungen. Dieselbe Herausforderung stellt sich für die Prüfungsverwaltung, die in ihrem Studierendenverwaltungssystem zwei getrennte Prüfungsprozesse planen muss.
Das bedeutet, dass der Ressourceneinsatz noch nicht gesunken ist und vermutlich erst dann sinken wird, wenn die NMBU den Wechsel zu einem vollständig digitalisierten Prüfungsprozess vollziehen kann. Eine der Hürden auf diesem Weg ist der Bedarf an Software von Drittanbietern:
„Wir beobachten großes Interesse sowohl bei Studierenden als auch bei Kursverantwortlichen, unsere Prüfungen zu digitalisieren“, sagte Bauge, „aber in bestimmten Fächern war das bisher schwierig, weil wir in der Prüfungssituation Zugriff auf Software von Drittanbietern benötigen. Das schränkt unsere Digitalisierung in Fächern wie Mathematik, Informatik, Statistik, Physik und Chemie ein.“
Kontinuierliche Weiterentwicklung zur Lösung dieser Probleme
Dieses Problem kennen viele Hochschuleinrichtungen, die WISEflow nutzen, und so haben wir uns selbstverständlich darum bemüht, eine Lösung zu finden. Mit dem WISEflow-Update 2.13.0 vom 2. März 2018 wurde eine Lösung eingeführt: die Funktion „Whitelisting“, mit der sich Links in einem Prüfungs-Flow freigeben lassen, sodass Studierende im FLOWlock-Browser auf externe Ressourcen und Anwendungen zugreifen können.
Laut Bauge ist diese Art der Weiterentwicklung der WISEflow-Plattform ein klarer Schritt in die richtige Richtung, um digitale Prüfungen auch in Fächern zu ermöglichen, die stark auf spezielle Software angewiesen sind: „Damit können wir Prüfungen in weiteren Fächern durchführen, in denen spezielle, auf das jeweilige Fach zugeschnittene Anwendungen nötig sind, um Formeln, Berechnungen, Abbildungen und mehr zu erstellen.“