Eine der Befürchtungen, auf die wir häufig stoßen, ist, dass Online-Prüfungen die akademische Unredlichkeit unter Studierenden verstärken, wobei die Schlussfolgerung angeführt wird, dass die Nutzung von Computern den Studierenden mehr Möglichkeiten zum Schummeln bietet. Dies ist jedoch nicht zwangsläufig der Fall.
Laut einer randomisierten Umfrage führt eine Online-Prüfungsumgebung nicht zu vermehrtem Betrug unter Studierenden (Grijalva et al., 2006). Nur schätzungsweise 3–4 Prozent der Befragten hatten betrogen, was „darauf hindeutet, dass die akademische Unredlichkeit in einer einzelnen Online-Vorlesung nicht größer ist als die geschätzte Betrugsrate in einer traditionellen Vorlesung“ (ebenda, S. 13). Eine spätere Studie einer anderen Universität kommt zu dem Ergebnis, dass die Zahl der schummelnden Studierenden zwar deutlich höher ist, das Gleichgewicht zwischen Schummeln in einer Präsenz- und einer Online-Umgebung jedoch erhalten bleibt (Watson & Sottile, 2010). Eine dritte Studie legt nahe, dass eine Online-Umgebung dem Schummeln sogar weniger Vorschub leistet als der traditionelle Ansatz (Stuber-McEwen et al., 2009).